Blick nach vorne

Blick nach vorne

Transkript

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00:00:00: Wenn Jammann eine olympische Disziplin wäre, dann stünden wir in Deutschland oder in Österreich ganz sicher auf dem Podest.

00:00:07: Wahrscheinlich sogar ganz oben!

00:00:10: In Unternehmen, in Kantinen und Teams überall wird gejammert und über alles wird gejammert.

00:00:17: So kann das ja nicht weitergehen.

00:00:19: darum wenn Sie wissen wollen warum sich Jamman zwar gut anfühlt aber in Wirklichkeit so richtig schlecht für die Zukunft ist Und was stattdessen hilft Dann bleiben sie jetzt dran.

00:00:31: Vorne ist, wo sich noch keiner auskennt.

00:00:34: Gut so!

00:00:35: Das verleiht ein Spielraum.

00:00:37: Herzlich willkommen beim Blick nach vorn – dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft.

00:00:43: Mein Name ist Franz Kümmerer Und ich bin Trendforscher.

00:00:47: Kennen Sie das III-Prinzip?

00:00:50: Das geht so.

00:00:51: Irgendwas ist immer.

00:00:54: Es gibt also zu jedem Zeitpunkt in jedem Unternehmen In allen Situationen des Lebens Grund zur Klage, Grund zum Jammern.

00:01:01: Irgendwas ist immer drei.

00:01:04: i. Darüber zu jammern, das dient zunächst dem emotionalen Ausgleich.

00:01:10: Es ist ein Ventil.

00:01:11: In der Wissenschaft nennt man das emotionale Selbstregulation.

00:01:16: Indem wir über negative Erfahrungen sprechen senken sich tatsächlich unsere Stresshormone.

00:01:22: es geht uns sofort ein bisschen besser.

00:01:25: Die ETH Zürich hat das gerade eben in einer Studie bestätigt.

00:01:29: Da hat man herausgefunden warum Tiefe Seufzer uns Menschen gut tun und man hat erstmals das befreiende Gefühl in der Brust erklären können, dass sich nach so einem tiefen Seufzar oft einstellt.

00:01:43: Also ja, Jaman tut kurzfristig gut!

00:01:47: Blöd nur, dass es langfristig nichts verändert – im Gegenteil, Menschen die regelmäßig über Probleme sprechen ohne nach Lösungen zu suchen, die steigern ihre innere Unruhe ihren Stress sogar genau weil sie ihm Problem verweilen….

00:02:01: Man nennt es RUMINATION auf Deutschloße, vielleicht mit WIDERCOIN zu übersetzen.

00:02:08: Es ist das Gegenteil von Handlungsorientierung und das Gegnteil der Erlösung – ein Sich-Suhlen im Übel.

00:02:16: Ja man ist aber nicht nur ein Phänomen für den Einzelnen, es dient auch als soziales Schmiermittel, es hilft bei der Anschlussfähigkeit an die Gruppe!

00:02:24: Wer sich beklagt, er signalisiert «Ich empfinde wie du ich bin Teil von euch».

00:02:30: Das schafft Zugehörigkeit.

00:02:33: Dummerweise halt auf der Basis von gemeinsamen Leid und nicht vom gemeinsamen Zielen.

00:02:38: Man ordnet sich damit ein, man ordnet auch unter aber Führung übernimmt man damit nicht Und eigentlich erwirbt man damit keinen Respekt der anderen.

00:02:49: im Gegenteil Ich kann das aus eigener Erfahrung als Topmanager sagen.

00:02:53: Wenn ich nach einer Besprechung jemanden höre Der in dem gleichen Meeting war wie ich und der dann draußen am Flur oder beim anschließenden Espresso jammert, na das war ja wieder ein sinnloses Meeting.

00:03:06: Den fisch ich mir sofort!

00:03:08: Den stelle ich augenblicklich zur Rede.

00:03:10: Da ist jemand, der gerade eine halbe Stunde oder eine Stunde in dem Meeting gesessen ist.

00:03:14: Der hat die ganze Zeit den Eindruck gehabt, dass es kein gutes Meeting ist aber die Klappe hat er da drinnen nicht aufgekriegt.

00:03:21: Hat auch keinen Beitrag geleistet, dass das Meeting besser wird.

00:03:25: Der Sitz da drin denkt sich seinen Teil und erst wenn er draußen ist, wenn das Meeting vorbei ist macht er seinem Unmut Luft.

00:03:32: Also wirklich so jemanden brauche ich nicht in meinen Meetings.

00:03:35: Entweder du hast was zu sagen Du hast eine Idee wie es besser gehen würde Du hast Feedback, du hast Rückmeldung Du hast einen Input.

00:03:42: Dann bitte sage es sofort Bring dich ein leist deinem Beitrag für dich Für uns alle Oder Du hast eh nix zu sagen, dann hast du aber auch nach dem Meeting nichts zu sagen und ehrlich gesagt, dann brauchst doch nicht an den Meeting teilnehmen.

00:03:56: Also bitte entscheide dich!

00:03:58: Man muss da viel konsequenter sein finde ich – und das nicht nur als Eigeninteresse sondern auch aus Respekt den anderen Meeting-Teilnehmern gegenüber.

00:04:07: Das ist eine Frage der Konsequenz und es ist eine Haltung der Einstellung.

00:04:12: Letztlich geht es um die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen für den Raum, in dem man sitzt und für die anderen mit denen man zusammenarbeitet.

00:04:20: Aber ich weiß natürlich auch im beruflichen Umfeld ist Jammann oft nützlich denn in fast allen Organisationen gilt wer jammert der wird verschont.

00:04:30: Vorgesetzte vergeben neue Aufgaben herausfordernde Aufgaben lieber an jene die sich bewährt haben Die Leistung gezeigt haben die sich anbieten Und nicht an jener die ständig Überlastung signalisieren.

00:04:44: Und dann entsteht eine selbst erfüllende Prophezeiung.

00:04:48: Verhalten, das kurzfristig Entlastung bringt wird wiederholt.

00:04:52: Also gibt sich eine Lernschleife – wer jammert bekommt tendenziell nicht mehr Arbeit, der wird verschont und entlastet.

00:05:00: Aber natürlich heißt es auf Dauer auch so jemand wird nie für höhere, für spannendere Aufgaben vorgesehen.

00:05:08: Strukturelle setzt das Jammern die offene Konfliktbearbeitung.

00:05:12: Es wird zur inoffiziellen Form der Meinungsäußerung.

00:05:16: Während die offiziellen Kanäle wie zum Beispiel Berichte, Memos, Reports und ähnliches zuweilen schön färberisch unterwegs sind und Kritik nur so warte Bauschick abgefedert enthalten, entlädt sich die Wahrheit in der Café-Küche.

00:05:31: Dumm nur!

00:05:32: Man redet zwar offen über die Probleme aber nicht mit denen diese lösen könnten.

00:05:37: Dadurch verfestigt sich die Entfremdung zwischen Problem und Lösung – man hört sich selbst gescheitreden, aber die Welt hört nicht hin Sie kann auch nicht antworten.

00:05:48: Wichtig jedenfalls für alle Führungskräfte, die auf Unternehmenskultur auf Betriebsklima wertlegen?

00:05:54: Wir wissen aus Forschungen zur sogenannten Emotional Contagion also zur gegenseitigen gefühlsmäßigen Ansteckung zum Aufschaukeln von Meinungen das wiederholtes negative Sprechen über Probleme messbar die Stimmung und Leistung ganzer Teams senkt!

00:06:11: Die Yammer Kultur führt zu kollektiver Demotivation.

00:06:16: Sie zieht alle runter, auch jene die gar nicht aktiv jammern und auch jener die eigentlich gar keine Probleme haben.

00:06:23: Und noch schlimmer jeder der Jammer versetzt sich selbst in die Position des Opfers.

00:06:28: Es ist alles so furchtbar.

00:06:30: ich kann nichts tun.

00:06:31: die Umstände sind schuld.

00:06:33: Wer sich so etwas lang genug und oft genug vorsagt er glaubt halt irgendwann mal selbst dran und verliert damit die Zuversicht wirksam sein zu können etwas tun zu können, die Welt gestalten zu können nicht nur erleiden zu müssen.

00:06:48: Jammern ist ein konsequenter Schritt zur Selbstaufgabe – verheerend!

00:06:54: Genau umgekehrt geht es den Menschen, die erleben dass ihr Handeln Wirkung zeigt.

00:06:58: Sie jammern weniger sie werden mit der Zeit selbstbewusster stärker statt immer kleiner und schwächer.

00:07:05: was ich mit all dem sagen will Ich verstehe das eh mit dem Jammern.

00:07:09: Es hilft die Dinge auszuhalten, es wirkt im ersten Moment entlastend gegenseitig unterstützend irgendwie angenehm.

00:07:17: all das ist verständlich aber es ist nur ein kurzfristiger Effekt.

00:07:21: langfristig ist es schädlich und vor allem es ist auch überhaupt nicht hilfreich.

00:07:27: denn so harmlos es klingt jammern zementiert den status quo.

00:07:31: es lässt uns in problemen verharren statt in die lösung zu gehen.

00:07:37: der blick nach vorne Es gibt zu viele Menschen, die rechtgenau artikulieren können wogegen sie sind was sich stört worüber Sie sich aufregen worüber sie jammern privat beruflich gesellschaftlich.

00:07:53: Ich finde wir müssen viel öfter umgebungen schaffen in denen menschen Vorstellungen davon entwickeln wofür sie sind.

00:08:02: Denn das ist der unterschied zwischen reaktion und gestaltung zwischen klage und verantwortung zwischen jammern und zukunft.

00:08:10: Sich vom Jammern zu lösen, ist ein erster wichtiger Schritt in die Richtung von etwas was sein könnte.

00:08:16: Etwas besserem.

00:08:19: Martin Luther King hat ja nicht gesagt ich habe einen Albtraum sondern Ich habe einen Traum.

00:08:24: Natürlich entsteht Zukunft, entsteht Veränderung und Gestaltung auch aus dem Anerkennen das etwas Nicht so ist wie es sein sollte Das etwas nicht stimmt dass Es ein Problem gibt.

00:08:36: Aber Lösungen entstehen nie Aus der Klage allein sondern aus der Vorstellung, dass es besser werden kann und wie es besser wird.

00:08:46: Der erste Schritt aus dem Jammern raus ist gar kein großer.

00:08:49: Es ist nur den Moment in dem man innehält und denkt Ich könnte statt des noch etwas tun Etwas beitragen Einfluss nehmen statt bloß zu jammern Handeln statt zu klagen.

00:09:02: Und vielleicht ist das ihnen ja beim Zuhören heute ähnlich gegangen Wie mir beim Nachdenken über dieses Thema.

00:09:07: Irgendwann merkt man Das Jammern, da steckt überall ein bisschen drin auch in uns selbst und man merkt ich habe dein Störgefühl.

00:09:14: Ich will das eigentlich nicht!

00:09:16: Ich mag nicht Jammern sondern ich mag etwas ändern.

00:09:20: Und genau diesem Gedanken sollten wir öfter folgen und auch die Menschen in unserem Umfeld dazu anregen, dazu anhalten Es ist genug gejamert Lasst uns etwas tun!

00:09:43: Mein Name ist Franz Kümerer und ich sage vielen Dank fürs Zuhören.

00:09:47: Alle Informationen finden Sie auf www.blicknachforne.com.

00:09:53: Abonnieren Sie diesen Podcast, und seien sie auch das nächste Mal wieder dabei wenn es wieder heißt Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.

Über diesen Podcast

Vorne ist, wo sich noch keiner auskennt. Gut so! Das verleiht uns Spielraum. -- Trendforscher Franz Kühmayer und seine Gesprächspartner werfen den Blick nach vorne. Optimistisch, provokant und eloquent.

von und mit Franz Kuehmayer -- "Einer der einflussreichsten Vordenker"

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