00:00:00: Wenn Sie diesen Podcast schon etwas länger hören oder mich schon einmal als Kino-Speaker erlebt haben, dann kennen sie einen Leitsatz von mir den ich wie ein Mantraformel her trage.
00:00:10: Nämlich wenn die Maschinen bessere Maschienen werden, dann müssen wir Menschen bessere Menschen werden!
00:00:17: Ich bin mit diesem Satz schon zickfach hundertfach zitiert worden in Medien und Kommentaren usw.. Und lange Zeit ist dieses Zitat ein klangvoller Satz geblieben, der sich bestens für eine Business Cocktail-Diskussion eignet.
00:00:31: Ja ja wir müssen bessere Menschen werden!
00:00:35: Aber nun da KI so richtig leistungsfähig geworden ist und dem Sauseschritt immer leistungspfäiger wird und im Alltag der Menschen beruflich wie auch privat voll angekommen ist, beginnt der Satz seine wirkungsvolle Wende zu nehmen.
00:00:51: Denn es wird zunehmend relevant, wirklich ernsthaft darüber nachzudenken was ich damit konkret meine.
00:00:58: Was es bedeutet ein besserer Mensch zu werden um im Wettbewerb mit den Maschinen Schritt halten zu können.
00:01:06: Es wird jedenfalls immer deutlicher Wir brauchen einen Upgrade.
00:01:10: Ein Human Upgrade.
00:01:15: Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.
00:01:18: Gut so das verleiht uns Spielraum.
00:01:20: Herzlich willkommen beim Blick nach vorn, dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft.
00:01:26: Mein Name ist Franz Kühmeyer und ich bin Trendforscher.
00:01:32: Zentral für alle Überlegungen ist die Grundfrage was leistet KI heute beziehungsweise?
00:01:37: Was wird sie perspektivisch in nahezukunft leisten können Und was ist daher der Mehrwert den der Mensch in die Arbeitswelt einbringt.
00:01:47: Es ist ja nicht so, dass die KI uns sofort und eins zu eins ersetzen wird noch dazu in allen oder in ganz vielen Berufsbildern.
00:01:55: Diese Schreckensbotschaften scheinen wir bei aller exponentielle Entwicklung von KI doch sehr kühn – aber eben zumindest kurz- oder mittelfristig!
00:02:05: Natürlich stellt sich zunehmend die Frage nach der Daseinsberechtigung des Menschen in der Arbeitswelt.
00:02:11: Daran schließt sich gleich mal der erste Gedanke dazu an nämlich das auch ohne Technologie Einfluss, der Durchschnitt massiv unter Druck gerät.
00:02:21: Was meine ich damit?
00:02:23: Nun aus der Perspektive des einzelnen Menschen beobachten wir in der Forschung eine sehr starke Entwicklung hin zur Individualität – der Megatrend der Individualisierung.
00:02:35: Wir möchten alle Aspekte unseres Lebens auf und selbst zugeschnitten haben.
00:02:41: Wir konfigurieren unsere Autos, aber eben nicht mehr nur teure Investitionsentscheidungen sondern auch ganz banale Produkte wie zum Beispiel Sneaker.
00:02:50: Man sieht das bei vielen Tourenschuhherstellern, bei Nike und bei anderen auch.
00:02:56: Wir konfigurieren aber nicht nur unseren Konsum, sondern auch andere Aspekte unseres Lebens.
00:03:02: Gut zu sehen etwa daran dass zwar die sogenannte Normfamilie also Ein Mann, eine Frau beide miteinander verheiratet mit einem oder mehreren Kindern das also diese Norm- oder Kernfamilie zwar weiterhin die häufigste Lebensform bildet aber am Rückzug ist.
00:03:20: Und auf der anderen Seite vielfältige andere Modelle Singles alleinerziehende Patchworkmodelle und vieles mehr zunehmenden Alltag prägen.
00:03:29: Wir konfigurieren eben unsere Familien.
00:03:32: Auch im politischen Sinn ist es erkennbar hat es früher noch klare Lagerbildungen gegeben und Großparteien, so zeigt sich in ganz Europa die Entwicklung hin zu einer Fragmentierung des Parteinspektrums.
00:03:45: Also insgesamt egal wohin man schaut wir wollen nicht der Durchschnitt sein in keinem Aspekt unseres Lebens und daher natürlich auch nicht im Arbeitsleben.
00:03:56: typische Laufbahn, die lineare Karriere der nine to five Job.
00:04:01: Das definierte Arbeitsmuster den musterhaften Lebenslauf all das gibt es immer weniger.
00:04:09: Das klingt erst mal total anstrengend für Unternehmen.
00:04:12: aber wenn wir jetzt die Perspektive wechseln und aus Arbeitgeber sich darauf schauen dann sehen wir genau das gleiche.
00:04:19: Auch Unternehmen suchen nicht den durchschnittlichen Mitarbeitenden, denn im Zeitalter der Innovation und der Dienstleistung wird das herausragende Talent gesucht.
00:04:29: Der innovative Mitarbeiter, der uns mit frischen Gedanken- und Perspektiven bereichert.
00:04:35: Jobinserate strotzen vor Sehnsucht von Unternehmen nach kreativen, resilienten innovativen Talenten und Menschen die mehr können als den Durchschnitt zu reproduzieren als noch einmal zu machen, was ohnehin schon bekannt ist.
00:04:52: Auch als dieser Sicht also das Außergewöhnliche erklimmt die Bühne.
00:04:58: Wer einfach nur etwas Bewertes tut, wer etwas halt recht gut kann aber sonst nicht heraussticht weder fachlich noch persönlich der Gerät zunehmend unter Druck.
00:05:10: und genau diese Entwicklung wird durch KI jetzt noch enorm befeuert.
00:05:14: Das beginnt schon damit, dass Wissen alleine eben kein Differenzierungsfaktor mehr ist.
00:05:20: Was früher Recherche und Methodisches Können gebraucht hat – und vielleicht auch Erfahrung gebrauchte – das ist heute in Sekunden verfügbar.
00:05:29: Ja, die Qualität der Antworten von KI regressiert zu einem guten und nicht herausragenden Ergebnis.
00:05:36: vorerst zumindest noch aber eben genau das!
00:05:40: Die Tatsache, dass KI vieles recht gut kann Ganz viele sogar.
00:05:45: Das ist ein weiterer Turbo-Boost für die Eingangs erwähnte Entwicklung, denn aus einer Preisleistung und aus einer Preisperformenssicht kann der Mensch mit der Maschine nie mithalten wenn er nur ähnliche Ergebnisse bringt.
00:06:00: Daher der Differenzierungsdruck am Arbeitsmarkt steigt massiv an.
00:06:06: Konsequenz?
00:06:08: Wenn mittelmaß nicht mehr gefragt ist und ohnehin sehr effizient automatisierbar geworden ist dann definieren Unternehmen neu, was sie von menschlichen Mitarbeitenden erwarten.
00:06:21: Und auch der Mensch selbst muss neu definieren, was seine Leistung eigentlich wertvoll macht.
00:06:28: Die Effekte davon sieht man bereits mehr als deutlich am Arbeitsmarkt.
00:06:32: In durchaus hochqualifizierten Branchen bzw.
00:06:35: Berufsbildern findet gerade ein massives Aushöhlen klassische Karrierepfadestadt.
00:06:42: Bis vor kurzem hat man jungen Menschen noch gesagt, schau dass du was in IT machst.
00:06:46: Schau das du Software-Developer wirst!
00:06:49: Diese Jobs sind wahnsinnig nachgefragt und hoch bezahlt Und das hat ja über viele Jahre hinweg auch gestimmt.
00:06:56: Jetzt aber nicht mehr Denn Junior Software Developer schauen bei Jobchancen aktuell ziemlich durch die Finger.
00:07:05: Was ein IT Einsteiger kann Das kann die KI auch schon Noch dazu schneller billiger und vielfach auch besser.
00:07:15: Und das Gleiche trifft auch auf Consulting zu, auf Liegelberufe, auf Atmenberufen und auch auf andere Bereiche des Arbeitsmarktes – des hochqualifizierten Arbeitsmarktes Notabene!
00:07:29: Wenn Junioraufgaben zunehmend von KI übernommen werden, dann entsteht kurzfristig Effizienz.
00:07:35: Langfristig aber stellt sich die Frage wo lernen Menschen dann noch ihr Handwerk?
00:07:41: Denn die Juniors von heute werden ja irgendwann einmal die Seniors von morgen, zumindest war das bislang so.
00:07:49: Und daher ist die Frage eben keine philosophische Frage mehr sondern eine ganz operative.
00:07:57: Unternehmen stellen sich konkrete Fragen im Bereich Workforce Capacity und Workforce capability.
00:08:04: Wie viele Menschen brauchen wir mit welchen Skills?
00:08:07: Und vor allem brauchen wir so viele Menschen wie heute mit den Skills von heute.
00:08:14: Und darauf lautet die Antwort vielfach Nein und Nein!
00:08:21: Wenn Einstiegsaufgaben verschwinden, und gute aber eben nicht herausragende Leistungen nicht mehr genügen dann müssen Lernarchitekturen- und Karrierepfade komplett neu gedacht und gebaut werden.
00:08:35: Das betrifft also Talentmanagement Personalentwicklung und Organisationsentwickling ganz unmittelbar.
00:08:42: HR und Unternehmen insgesamt brauchen neue Modelle für Lernen und Entwicklung.
00:08:48: Das kann sein Projektbasiertes Lernen-Mentoring, KI-gestützte Simulationen, Shadowing, bewusst gestaltete Erfahrungsräume
00:08:55: usw.,
00:08:56: die Möglichkeiten sind da sehr weitgehend.
00:09:00: Aber jedenfalls sparen Organisationen sonst heute Juniorkapazitäten ein und vermissen dann morgen Seniorkompetenz.
00:09:10: Dann dreht sich der kurzfristige Effizienzgewinn mittelfristig in ein Qualitäts- und Kompetenzdisaster.
00:09:20: Dazu kommt, KI macht uns stärker – stimmt!
00:09:24: Aber nicht automatisch klüger.
00:09:27: Sie macht uns kurzfristig leistungsfähiger.
00:09:30: Wir können damit Dinge tun die wir gestern noch nicht konnten.
00:09:33: Wir können Präsentationen bauen, Daten auswerten, Texte wunderbar strukturieren.
00:09:38: Wir können eben Code schreiben wir können Bilder bearbeiten und so weiter usw.
00:09:42: Mensch und Maschine im Duo das ist ein Power Duo!
00:09:47: Blöd.
00:09:47: nur gerade auch weil das so gut und so leicht geht lernen wir nichts dabei.
00:09:53: Den menschlichen Entwicklung ist stark abhängig von Herausforderungen, vom Überwinden von Schwierigkeiten, vom Meistern von Krisen, vom Lösen von Problemen.
00:10:03: Vom Finden neuer Wege um Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
00:10:07: Jeder kennt das aus der eigenen Lebenserfahrung!
00:10:10: Wir lernen und reifen und wachsen aus Niederlagen mehr als aussiegen.
00:10:17: Kaider gegen ist wie ein Exoskelett.
00:10:20: Wir legen sie uns an und können dann, solange wir sie nutzen unsere Fähigkeiten massiv erweitern.
00:10:26: Wir sind aber nicht stärker geworden!
00:10:28: Wenn wir das Exoskelett wieder ablegen wenn wir Chatchipiti wieder schließen, sind wir genauso klug genau so stark wie zuvor.
00:10:37: Teilweise zeigt die Forschung sogar degenerative Effekte in der Kognition.
00:10:41: Wenn wir unser Hirn nicht nutzen, dann verkümmert seine Leistungsfähigkeit in diesem Thema.
00:10:48: Auch.
00:10:49: das führt also zu einer zentralen Entwicklungsfrage für Unternehmen und für HR.
00:10:54: Lernen entsteht nicht durch Ergebnisproduktion oder noch weniger durch Ergebnis-Reproduktion, sondern durch Reibung an Widerstände – durch Suchen, durch Scheitern, durch ernsthaftes und eigenes Nachdenken, durch Entscheidungen.
00:11:09: Wenn KI diese Reibungsarbeit nimmt wird die Arbeit zwar effizienter aber nicht entwicklungswirksamer!
00:11:18: So, wo stehen wir also?
00:11:19: Erstens.
00:11:20: Wir müssen aufgrund der Leistungsfähigkeit von Technologie unsere Kompetenzen weiterentwickeln um unsere Daseinsberechtigung zu manifestieren und zweitens wir müssen Kompetenzentwicklung neu denken damit Personal- und Organisationsentwicklungen mit den technologischen Implikationen Schritt halten können.
00:11:39: Und jetzt kommt drittens was ist eigentlich aus dem leistungsversprechen geworden dass uns KID Arbeit abnimmt?
00:11:45: stimmt das?
00:11:47: Zunächst einmal ein wichtiger Gedanke dazu vorweg, wenn wir davon ausgehen dass Technologie uns bereits heute zehn Prozent vielleicht zwanzig Prozent oder dreißig Prozent effektiver macht.
00:12:00: Was machen wir dann mit der freie gefordernen Zeit?
00:12:04: Also bleiben wir mal bei zwei Prozent.
00:12:06: das ist ein Arbeitstag pro Woche.
00:12:09: Sie sind also am Donnerstag am Abend mit dem fertig was bisher die ganze Arbeitswoche gebraucht hat.
00:12:15: so und nun Was machen Sie mit dem Freigeword?
00:12:19: einen Tag?
00:12:20: Erledigen Sie an dem Tag dann das, was bisher liegen geblieben ist im Arbeitstress.
00:12:26: Also machen sie weiter und mehr auf the same oder nutzen Sie den Tag um etwas ganz Neues zu beginnen, etwas zu lernen ein neues Projekt anzustoßen eben Innovation voranzutreiben oder schwenken Sie in die vier Tageswoche rein und sind einfach am Donnerstagabend fertig.
00:12:45: Das sind reale Fragen und wenn Sie selbst darauf keine Antwort haben, keine gute Antwort haben dann wird jemand anderer diese Antworten für sie geben.
00:12:56: Und dieser andere verfolgt vielleicht nicht Ihr eigenes bestes Interesse.
00:13:01: Ich kann Sie aber ein bisschen beruhigen.
00:13:03: Aktuell sehen wir eher den gegenteiligen Effekt.
00:13:06: Durch KI wird Arbeit leichter Aber trotzdem Nicht weniger Sondern eher sogar mehr.
00:13:12: Es gilt nämlich sowohl die alte Regel, dass wer schneller liefert nicht mehr Freiräume bekommt sondern mehr Aufgaben obendrauf.
00:13:22: Und wir sehen in aktuellen Studien das insbesondere hoch engagierte Mitarbeitende ihre Arbeitslast selbst aus eigenem Antrieb heraus noch mehr steigern.
00:13:33: Die machen nicht Frühschluss sondern, eben weil sie so viel Freude in ihrem Job haben jetzt auch noch ein superschweizer Messer für alle ertenkliche Aufgaben an die Hand bekommen haben.
00:13:43: da arbeiten Sie noch intensiver.
00:13:46: Das ist das ultimative Beispiel für die sogenannte Eigenverschuldete Selbstausbeutung und auch daher brauchen wir also ein Upgrade.
00:13:56: der tut sich insbesondere für HR ein echtes Handlungsfeld auf als Schutz- und Gestaltungsinstanz.
00:14:03: Wir sind ja hoffentlich auf der Suche nach guter Arbeit, nicht nur nach mehr Arbeit.
00:14:08: Produktivität darf daher nicht nur heißen mehr Output pro Kropf sondern auch bessere Arbeit, gesündere Arbeitsrhythmen, mehr Lernzeit, mehr echte Wertschöpfung.
00:14:22: Der Blick nach vorne Die vielleicht wichtigste Aufgabe für Unternehmen ist es aktuell Arbeit neu zu kuratieren.
00:14:31: Das bedeutet, rollen nicht nur nach Effizienzpotenzial zu analysieren sondern nach Lernwert.
00:14:37: Nach Sinnbeitrag.
00:14:38: Nach Zukunftskompetenz.
00:14:41: Das bedeutet Führungskräfte zu befähigen, Hybride-Menschmaschine Teams zielgerichtet zu führen.
00:14:48: das bedeutet zu stärken was nicht automatisierbar ist so etwas wie Haltung Urteilskraft Kreativität Beziehungsarbeit Verantwortung Und es bedeutet daher für alle Mitarbeitenden über ein echtes Human-Upgrade nachzudenken.
00:15:06: Wenn ich von human upgrade spreche, dann klingt das vielleicht nach schön geistigen Idealismus, Schöngeistigem Humanismus und – Ich mag an dieser Stelle betonen – Für mich sind diese drei Worte Schön Geistig, Humanismus & Idealism durchaus nicht abwertend aber ich weiß auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten klingt das alles rasch nach einem Orchideenthema, etwas womit man sich beschäftigt wenn einem sonst nichts mehr einfällt.
00:15:34: Ich bin aber überzeugt dass Gegenteil ist der Fall!
00:15:37: In Wahrheit ist es alles eine sehr konkrete Management-Aufgabe und es ist eine Mammutaufgabe die den Erfolg von Unternehmen und von den Menschen die in den Unternehmen arbeiten mittelund langfristig sicherstellt.
00:15:52: oder anders gesagt und damit schließt sich der Kreis in der heutigen Episode.
00:15:57: Wenn Maschinen bessere Maschine werden, dann müssen wir Menschen bessere Menschen
00:16:02: werden.".
00:16:08: Das war eine Folge von Blick nach vorne – dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft & Wirtschaft.
00:16:14: Mein Name ist Franz Kümerer und ich sage vielen Dank fürs Zuhören!
00:16:19: Alle Informationen finden sie auf www.blicknachforne.com.
00:16:25: Abonnieren Sie diesen Podcast und seien sie auch das nächste Mal wieder dabei, wenn es wieder heißt.
00:16:30: Vorne ist wo sich noch keiner auskennt!