Blick nach vorne

Blick nach vorne

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00:00:00: Das kam jetzt völlig überraschend, das haut uns komplett aus den Socken.

00:00:04: Damit konnte wirklich niemand rechnen!

00:00:08: So wird Disruption üblicherweise beschrieben als eine nicht oder kaum vorhersehbare Entwicklung die den Lauf der Dinge abrupt und radikal ändert – und in aller Regel nicht gerade zu unserem Vorteil ändert.

00:00:22: In Corporate foresight also in der Anwendung der Methoden der Zukunftsforschung auf Unternehmen Da beschäftigen wir uns intensiv damit, solche Überraschungen besser vorhersagen zu können oder zumindest die Vorbereitung darauf zu verbessern.

00:00:37: Zubeilen ist es eine Sisyphusarbeit wie die aktuelle Hitzewelle in Europa zeigt.

00:00:43: Was genau hat jetzt die Hitze mit angewandter Zukunftsforschung zu tun?

00:00:47: Dranbleiben!

00:00:48: Ich erkläre's gleich.

00:00:58: Herzlich willkommen beim Blick nach vorn, dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft.

00:01:05: Mein Name ist Franz Kühmeyer und ich bin Trendforscher.

00:01:09: Tina Deutsch die überaus geschätzte Gründerin und Vorständin des Kontextinstituts für Klimafragen hat es in einem LinkedIn-Post in kürzlich so formuliert.

00:01:18: Ich zitiere wenn mitten in dieser Affenhitze Leute ehrlich erstaunt sagen wow total überraschend dass das jetzt schon so früh so heiß wird dann denke Ja, eben genau so wie es sämtliche Analysen vorher sagen.

00:01:32: Und das Schlimmste dabei?

00:01:34: Es ist wohl wirklich authentische Überraschung bei den meisten.

00:01:37: Zitat Ende Genau das habe ich gemeint als ich vorhin gesagt hab Prognostik und Einsicht sind zwei paar Schuhe.

00:01:46: Und aus der Einsicht dann auch noch Handlungen abzuleiten.

00:01:50: Das ist nochmal ein riesiger Unterschied.

00:01:53: Warum ist das so?

00:01:54: Es lohnt sich genauer darüber nachzudenken, denn die unbequeme Wahrheit lautet ein erstaunlich großer Teil dessen was wir später Disruption nennen war gar keine Überraschung.

00:02:06: Sondern das Ergebnis unserer Unfähigkeit Zukunft rechtzeitig wahrzunehmen ernst zu nehmen und danach zu handeln.

00:02:15: Bleiben wir beim Beispiel des Klimawandels und lassen mir mal außen vor, dass es trotz erdrückender Beweise – und trotz der ja wohl ziemlich eindeutigen Empirie immer noch irregeleitete Wirköpfe gibt die in Fundamental-Opposition zum Klimawandel stehen.

00:02:30: In Leugnen oder grundsätzlichen Fragestellen.

00:02:33: Unverbesserliche gibt's halt immer bei jeder Entwicklung!

00:02:36: Es gibt auch Menschen, die ganz überzeugt davon sind das die Erde eine Scheibe ist.

00:02:40: Beim Thema Klimawandel ist es leider keine vernachlässigbare Splittergruppe.

00:02:45: Immerhin knapp dreißig Prozent der Menschen streiten ab, dass die Veränderungen des Klimas vom Menschen verursacht werden.

00:02:52: Das sind zwar dreizig Prozent zu viel aber trotzdem will ich heute über die anderen siebzig Prozent sprechen Also über die ganz, ganz überwiegende Mehrheit der Menschen denen zwar die Entwicklung bewusst ist, die auch Einsicht in die Ursachen dafür haben und dann aber zu einem hohen Anteil dennoch überrascht sind wenn die Entwicklung tatsächlich eintritt.

00:03:14: Dieses Muster kennen wir nämlich aus zahlreichen Veränderungsprozessen.

00:03:18: ein paar andere Beispiele Mehr als zwei Drittel der Raucherinnen und Raucher wissen über die Gefahren des Tabak- und Zooms Bescheid, und tun es dennoch weiter.

00:03:28: Und schätzen dabei ihr individuelles Erkrankungsrisiko tendenziell zu tief ein!

00:03:34: Eine Studie der Universität Zürich zeigt, Raucherwissen zum ganz überwiegenden Teil sehr gut über das erhöhte Lungenkrebsrisikoperscheid sind aber überzeugt dass sie selbst weniger gefährdet sind als andere Raucher.

00:03:49: Anderes Beispiel ist Straßenverkehr.

00:03:51: Seit Jahrzehnten zeigen Unfallanalysen und sagt ja auch der gesunde Menschenverstand, dass niedrigere Geschwindigkeiten die Zahl und die Schwere von Verkehrsunfällen deutlich reduzieren.

00:04:03: Dennoch gibt es immer einen Aufschrei wenn über Tempolimits diskutiert wird und dennoch sind über dreißig Prozent der Unfälle mit Verletzten auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen.

00:04:15: Auch im Bereich der persönlichen Vorsorge kennen wir das Das gute Ernährung, regelmäßige Bewegungen und ausreichend Schlaf wichtig sind für ein langes und gesundes Leben.

00:04:26: Umgesetzt wird es von viel zu wenigen wie die Attraktivität von Kurzfristradikalmaßnahmen abnimmt Kur-und

00:04:33: Co.,

00:04:33: und generell die Statistiken zur Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck usw.

00:04:39: Es ist immer das gleiche Muster!

00:04:42: Sehenden Auges laufen wir ins Verderben.

00:04:46: Natürlich gibt es sie auch die tatsächliche Disruption, die überhaupt nicht vorhersehbare Überraschung auf die man sich mit sinnvollem Aufwand auch nicht vorbereiten kann.

00:04:56: Klar gibt es den absoluten Zufall – die Totalsprunger auf der Entwicklung, die die Zukunft von jetzt auf gleich verändert!

00:05:04: Und gegen diese Anomalin ist tatsächlich kein Kraut gewachsen, denn wer jedes entfernt mögliche Risiko in seinem Leben ausschalten oder sich gezielt darauf vorbereiten möchte der wird rasch feststellen dass das kein Lohnender Zugang ist.

00:05:19: Aber ein sehr großer Anteil ich traue mich sogar zu sagen der allergrößte Anteil an dem was wir Disruption nennen ist eben keine Überraschung sondern Ignoranz Und die kommt auf drei Ebenen daher.

00:05:36: Erstens eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit, zweitens zu geringer Einsicht in die Tatsachen und drittens fehlende Handlungsbereitschaft – der Reihe nach!

00:05:48: Fangen wir mit der Wahrnehnung an, der Fähigkeit Veränderungen in unserer Umwelt zu erkennen.

00:05:54: Wir leben in einer lauten Welt, die um unsere Aufmerksamkeit ringt Medien, soziale Medien, Unternehmen, Nachrichten, Werbung.

00:06:03: von überall Ström permanent etwas auf uns ein.

00:06:07: Glücklicherweise ist unser Gehirn eine hochentwickelte Filtermaschine!

00:06:11: Würden wir alles was uns erreicht gleich ernst nehmen wären wir binnen weniger Minuten vollkommen überfordert.

00:06:18: Also sortiert unser Geirn gnadenlos aus.

00:06:22: es schenkt dem Aufmerksamkeit was laut ist, was emotional ist.

00:06:26: Insbesondere was uns Angst macht oder wütend oder was bestätigt was wir ohnehin schon glauben.

00:06:34: Das ist im Alltag ein recht fantastischer Mechanismus.

00:06:37: er macht uns handlungsfähig für Zukunftsfragen ist allerdings recht gefährlich insbesondere weil er exponentielle Entwicklungen viel zu spät wahrnimmt.

00:06:48: Es ist ein wirklich großes Dilemma unserer Existenz, dass wir für die Zinserszinsrechnung so unfassbar schlecht geeignet sind.

00:06:57: Wenn bedeutende Veränderungen klein stetig langsam unspektakulär daherkommen bemerken wir sie viel zu spät.

00:07:07: Für Unternehmen gilt das ganz genauso.

00:07:09: auch Sie sind hochgradigeffiziente Wahrnehmungsmaschinen allerdings nicht für die Zukunft sondern für das Tagesgeschäft.

00:07:19: Alles ist darauf ausgelegt, dass hier und jetzt möglichst gutzug erkennen und zu steuern.

00:07:25: Kennzahlen, Reports, Meetings, Zielenvereinbarungen operative Probleme Das ist auch zu einem guten Teil richtig so.

00:07:32: Unternehmen müssen schließlich liefern.

00:07:34: Der Preis dafür ist allerdings hoch Denn Auch die unternehmerische Aufmerksamkeit richtet sich zu einem ganz überwiegenden Teil auf das was heute dringend ist Was im laufenden Quartal Im aktuellen Geschäftsjahr relevant ist Nicht aber auf das, was mittelfristig wichtig werden könnte.

00:07:54: Zukunftsentwicklungen verschwinden regelrecht aus dem Blickfeld.

00:07:58: Sie tauchen in keinem Monatsreport auf und genau deshalb werden sie auch unterschätzt.

00:08:04: Und solange wir in einem Umfeld leben dass sich in langen langsamen Zyklen bewegt Das nicht von in resonanzgehenden Entwicklungen geprägt ist die sich gegenseitig rasant aufschaukeln können Solange also die Systemdynamik niedrig ist kann man auch sagen Sei es drum, aber wir leben nicht in solchen Zeiten.

00:08:24: Wir leben in Zeiten, in denen die Randnotiz von heute über Wohl- oder Untergang des Unternehmens morgen entscheidet.

00:08:33: Die Wahrnehmungsfähigkeit zu steigern auch kleine Signale zu erkennen auf dem Raderschirm zu halten weiter zu beobachten ohne damit das eigene System komplett zu überfordern Das ist das Gebot der Stunde.

00:08:48: Im Corporate Vorsitz sind daher einige der zentralsten Fragen welche Entwicklungen übersehen wir gerade, welche Annahmen über unsere Branche halten wir für selbstverständlich.

00:09:00: Welche Veränderungen erscheinen uns heute noch viel zu klein und viel zu weit weg um sie ernst zu nehmen?

00:09:07: Wo schauen wir nicht hin?

00:09:08: Welche Filter wenden wir an die zu früh aussortieren was morgen relevant sein könnte?

00:09:16: wenn das Vorstandsteam nur auf Branchenkongresse fährt Wenn die Diskussion in der Aufsichtsratssitzung nur mit rettospektiven Parametern wie Umsatz- und Gewinn verbracht wird.

00:09:29: Wenn es zu wenig Nachdenken über das eigene Denken, zu wenige Reflexionen darüber gibt welche Grundannahmen über die Welt und die Branche als selbstverständlich erachtet werden unterher welche Filterfehler gemacht werden dann sollte das eigentlich ein Alarmsignal sein.

00:09:47: Ja!

00:09:48: Mit Corporate foresight gelingt es die Wahrnehmungsarchitektur eines Unternehmens zu erweitern.

00:09:54: Ich bin aber überzeugt davon, es ist mehr den je heute Führungsverantwortung dafür zu sorgen dass die Organisation überhaupt in der Lage ist Veränderungen eben auch kleine Veränderung wahrzunehmen.

00:10:08: Da geht's gar nicht um präzise Vorhersagen.

00:10:10: Es geht nur darum etwas ein bisschen früher und ein bissl besser wahrzunemmen als der Wettbewerber.

00:10:17: Und schließlich entscheidet Führung ja darüber, worauf Aufmerksamkeit gelenkt wird.

00:10:21: Worüber gesprochen wird?

00:10:23: Welche Themen Zeit auf der Agenda bekommen?

00:10:26: Aufmerksamkeit ist keine Nebensache – sie ist eben eine Führungsentscheidung!

00:10:34: Die zweite Ebene ist die Einsicht, denn Wahrnehmung alleine genügt nicht.

00:10:39: Aus ein und derselben Information können völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen werden.

00:10:45: Zum Beispiel, ein Signal wird als more of the same fehlinterpretiert.

00:10:51: So in der Art von uns gibt es seit hundert Jahren.

00:10:54: wir haben früher Briefe geschrieben dann das Telefax kommen und gehen gesehen, dann E-Mail und jetzt kommt halt KI.

00:11:00: daher.

00:11:01: Wir haben uns immer angepasst, uns wird's immer geben.

00:11:05: Wer so denkt er kennt ziemlich sicher den radikal anderen Impact vom KI nicht ausreichend sondern denkt in More Of The Same in Linearität.

00:11:14: Signale können auch als kurzfristige Mode abgetan werden.

00:11:19: Und es stimmt ja ganz viel, von dem man glaubt das wird der nächste Hotshit stellt sich im Laufe der Zeit nur als Shit heraus.

00:11:27: NFTs Second Life Metaverse Die Liste der Prognosen aus denen dann doch nichts wurde ist lang Blöd.

00:11:36: nur wer immer solche Beispiele als Bestätigung heranzieht den eigenen Kurs stabil zu halten Der wird letztlich ziemlich blind für tatsächlichen Wandel sein.

00:11:47: Die Kunst besteht ja auch gar nicht darin, die eine singuläre Entwicklung wahrzunehmen sondern ein smartes Portfolio aufzubauen sowie das Venture Capitalists machen frühzeitig möglichst viele Signale wahrnehmen Nicht die ganze Farm drauf setzen aber mit vergleichsweise kleinem Ressourceneinsatz dranbleiben.

00:12:07: Wenn aus zehn Signalen nix wird Aber aus einem schon Dann ist man besser dran als derjenige, der gar nicht erst hingeschaut hat.

00:12:17: Ein weiterer beliebter Fehler in der Signalinterpretation ist es zeitliche Dynamiken falsch einzuschätzen.

00:12:23: Viel zitiert uns sehr richtiges Ersatz wie er überschätzen was in einem Jahr möglich ist und wir unterschätzen, was in zehn Jahren möglich ist.

00:12:32: Da wird eine Entwicklung als relevant angesehen, völlige Begeisterung bricht aus alles stürzt sich drauf.

00:12:38: Leider stellt sich dann heraus so toll und vor allem so schnell geht das auch nicht.

00:12:42: also massive Enttäuschung, Mittelabzug und Abwendung.

00:12:46: Nur um dann später draufzukommen – Mist!

00:12:49: Das haben wir einfach zeitlich falsch eingeordnet.

00:12:54: All das sind keine Wahrnehmungsprobleme, keine Wissensprobleme es sind Interpretationsprobleme.

00:13:00: Besonders davon betroffen sind vor allem erfolgreiche Menschen die aufgrund ihrer gelungenen Laufbahnen sehr nachvollziehbar auch aktuelle Informationen durch die Brille ihrer bisherigen Erfahrungen interpretieren.

00:13:14: Auch Unternehmen handeln nach inneren Weltbildern und neue Informationen werden da wie dort einsortiert.

00:13:22: Genau deshalb fällt es erfolgreichen Organisationen auf besonders schwer grundlegende Veränderungen ernst zu nehmen, weil sie sich recht stur auf einen Referenzrahmen beziehen der sie in der Vergangenheit gut geleitet hat aber der halt leider jetzt nicht mehr gültig ist.

00:13:39: Corporate foresight arbeitet deshalb nicht primär mit Prognosen sondern mit Perspektiven.

00:13:45: Szenarien, Zukunftsbilder und alternative Denkmodelle dienen nicht dazu die eine richtige Zukunft vorherzusagen sondern mehrere mögliche Zukunft aufzuzeigen.

00:13:58: Sie helfen dabei die eigenen Denkmuster sichtbar zu machen und zu hinterfragen Denn erst wenn ich erkenne dass auch eine andere Zukunft plausibel sein könnte beginne Ich meine Entscheidungen anders zu bewerten.

00:14:13: Die Führungsaufgabe hier besteht darin Interpretationsräume zu ermöglichen, zu schaffen.

00:14:18: Also nicht vor schnell Antworten zu liefern sondern Widerspruch zuzulassen unterschiedliche Sichtweisen einzuladen Annahmen explizit zu machen und regelmäßig zu überprüfen.

00:14:32: Gute Führung schützt eine Organisation nicht für Unsicherheit sie schütze sie vor der Illusion der Sicherheit.

00:14:41: Und damit zum dritten Punkt die dritte Ebene, das ist die Handlungsbereitschaft.

00:14:45: Weil selbst wenn wir Dinge gut wahrnehmen und gut einordnen bleibt noch die schwierigste Hürde nämlich die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

00:14:54: Schwierig deswegen weil jede Veränderung Kosten verursacht objektive Kosten wie beispielsweise Investitionsbedarf nicht mehr ganz so objektiven Kosten wie das in Frage stellen eines momentan noch gut funktionierenden Geschäftsmodells und ganz subjektive Kosten wie veränderte Zuständigkeiten, Glaubenssätze, intrinsische Widerstände usw.

00:15:17: Der wohlmeinende – jedenfalls in absolut glaubwürdigen Slides- und gut vorbereiteten PR-Botschaften erklärte Veränderungsplan zerschellt an der Realität der Veränderungspereitschaft des Unternehmens Bei.

00:15:32: neue fünfzig Jahre Organisationsforschung zeigen ein konsistentes Bild Unternehmen verändern sich grundsätzlich langsamer als ihre Umwelt.

00:15:42: Noch schlimmer, mit der Zeit stellt sich sogar eine echte Veränderungsermattung ein!

00:15:46: Bitte lasst uns in Ruhe mit Euren Change-Programmen – wir bewegen uns wie die Weide im Wind aus dem Weg, lassen den Change-Tischur an uns vorüberziehen und arbeiten einfach mal weiter wie bisher.

00:16:01: Ob Corporate Force halt ein wirkungsvolles Instrument ist, das entscheidet sich an der Frage, wie Handlungsleitende Erkenntnisse werden?

00:16:08: Wie anschlussfähig sind die Ergebnisse auf der Aufsichtsrats- und Vorstandsebene?

00:16:13: Wie deutlich werden Auswirkungen auf die Handlungsfelder des Unternehmens abgeleitet.

00:16:19: Was passiert mit dem Beschaffungsmarkt, mit dem Absatzmarkt, Mit der Kostenstruktur

00:16:23: usw.,

00:16:24: wenn ein bestimmtes Szenario eintritt?

00:16:27: Was sind die empfohlenen Maßnahmen, die heute gesetzt werden sollten?

00:16:30: Welche Fähigkeiten muss das Unternehmen jetzt aufbauen damit es morgen noch handlungsfähig ist?

00:16:36: Corporate Foresight endet eben nicht mit einem Trendreport oder einer Szenarierstudie.

00:16:41: Der eigentliche Wert entsteht erst dann, wenn Zukunft tatsächlich in Entscheidungen, Inhandlungen übersetzt wird.

00:16:49: Führung bedeutet eben nicht die Zukunft zu kennen, Führungsbedeutet Entscheidungen zu treffen obwohl die Zukunft unsicher ist.

00:16:58: Die Organisation schrittweise auf Entwicklungen vorzubereiten lange bevor wir dazu gezwungen werden.

00:17:05: Denn genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Disruption und einer Transformation.

00:17:12: Die Disruption, die Krise beginnt in dem Moment, indem Veränderungen von außen aufgezwungen werden – indem ich mich verändern muss!

00:17:21: Transformation beginnt dort wo Unternehmen rechtzeitig handeln obwohl sie es eben noch gar nicht müssten.

00:17:31: Der Blick nach vorne?

00:17:34: Ich möchte zum Schluss nochmal auf das Posting von Tina Deutsch zurückkommen.

00:17:39: Ihre Aussage ist eine Klage über den Klimawandel, aber vor allem ist es eine Klange über uns Menschen und über unsere Art Zukunft zu bearbeiten.

00:17:48: Denn das Erstaunliche ist nicht die Hitzewelle – Die Hitze war gut prognostiziert!

00:17:55: Das Erstaundliche ist die ehrliche Überraschung der Menschen.

00:17:59: Da zeigt sich genau dass drei Stufe Gemust über das ich heute gesprochen habe.

00:18:03: Erstens die Wahrnehmung.

00:18:05: Der Klimawandel ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie schlecht wir Menschen mit langsamen kumulativen Entscheidungen umgehen.

00:18:14: Kein einzelner heißer Tag beweist etwas – kein einzelner zu milder Winter verändert unser Weltbild!

00:18:21: Kein einzelnes extreme Ereignis erscheint außergewöhnlich genug, um unser Denken grundlegend zu verändern.

00:18:28: Wir sind erschreckend schlechter in, schleichende Entwicklungen rechtzeitig als neue Realität

00:18:34: wahrzunehmen.".

00:18:36: Dass die Hitzewelle Menschen überrascht, liegt nicht daran dass sie noch nie etwas vom Klimawandel gehört hätten sondern weil ihr inneres Bild der Welt sich langsamer verändert als die Welt selbst.

00:18:49: Die zweite Stufe ist die Einsicht.

00:18:51: es hat ja nicht an Daten gefehlt an Modellen oder an wissenschaftlichen Erkenntnissen.

00:18:56: was gefällt hat war die Bereitschaft diese Erkenntnisse zum Ausgangspunkt unseres eigenen Weltbildes zu machen zu akzeptieren, dass das keine abstrakte Möglichkeit mehr ist und auch keine plausible Wahrscheinlichkeit sondern Gewissheit.

00:19:14: Und dass diese Gewissheid unmittelbare schwerwiegende Konsequenzen für uns selbst haben wird.

00:19:20: Dass also aus der Wahrnehmung ganz unmittelbarer Relevanz entsteht.

00:19:26: Zur Einsicht gehört aber noch etwas nämlich das Eingeständnis, dass wir eine Entwicklung nicht unmächtig ausgeliefert sind dass unser Handeln einen Unterschied macht.

00:19:36: Im Kleinen wie im Großen, als Konsumentinnen und Konsumenten, als Führungskräfte, als Unternehmen.

00:19:42: Solange ich glaube das mein Beitrag ohnehin nichts verändert bleibt jede Erkenntnis folgenlos.

00:19:48: dann wird aus Wissen nur Fatalismus.

00:19:52: Echte Einsicht bedeutet dagegen Zweierlei.

00:19:55: Ich erkenne, dass es mich betrifft und ich erkenna, da sich Mitverantwortung tragen kann.

00:20:03: Und daher schließlich die dritte Stufe, die Handlungsbereitschaft.

00:20:06: Vielleicht ist das die unbequemste Erkenntnis überhaupt denn sie zwingt uns einzugestehen wie groß die Lücke zwischen Einsicht und Handeln klafft.

00:20:16: Das ist der sogenannte Intention Behavior Gap den ich am Anfang bereits mit einigen Beispielen untermauert habe.

00:20:23: Wir wissen oft sehr genau was richtig wäre und handeln trotzdem anders.

00:20:29: wir verschieben relativieren wir hoffen dass es doch nicht so schlimm kommt, dass wir auch Zeit haben das andere zuerst handeln.

00:20:37: Dass die Technik schon eine Lösung finden wird und irgendwann stehen wir dann mitten in einer Hitzewelle und sagen boah unglaublich!

00:20:46: Der berühmte Wissenschaftsjournalist Heuma von Dietfurt hat, Die Gründe und Auswirkungen des bevorstehenden Klimawandels eindrucksvoll geschildert.

00:21:26: Und die Industrie hat ganz brav weiterhin Diesel-SUVs produziert, fünfzig Jahre lang.

00:21:32: Jetzt knallt's!

00:21:34: In der Automobilindustrie aber vor allem auf der ganzen Welt.

00:21:38: Jetzt ist der Klimawandel kein Unterhaltungsprogramm mehr.

00:21:42: Wir hatten Jahrzehnte Zeit zu handeln und jetzt merken wir, es wird richtig eng.

00:21:50: Der Klimawandel ist eben keine unvorhersehbare Disruption, kein Black Swan der uns völlig überrascht in das der Reserve holt.

00:21:58: Erst ein Fähigkeitsmangel auf drei Ebenen Wahrnehmung Erkenntnis Handlung.

00:22:05: Warum überrasacht uns immer noch was wir eigentlich längst wissen?

00:22:10: Wenn wir darauf eine gute Antwort finden dann haben wir nicht nur etwas über den Klimawandl gelernt und wie wird auch hoffentlich noch die Kurve kratzen sondern über uns selbst.

00:22:21: Tina Deutsch schließt ihren Beitrag mit dem Satz, wir können das doch besser.

00:22:27: Ich bin ganz überzeugt dass sie recht hat!

00:22:29: Wir müssen die Zukunft nicht besser vorhersagen sondern vor allem lernen besser wahrzunehmend und zu integrieren was stattfindet und vor allem besser auf das zu reagieren was wir ohnehin längst wissen.

00:22:49: Das war eine Folge von Blick nach vorne Den Podcast zur Zukunft von Gesellschaft & Wirtschaft.

00:22:55: Mein Name ist Franz Kühmeyer und ich sage vielen Dank fürs Zuhören.

00:22:59: Alle Informationen finden Sie auf www.blicknachforne.com.

00:23:06: Abonnieren Sie diesen Podcast, seien sie auch das nächste Mal wieder dabei wenn es wieder heißt Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.

Über diesen Podcast

Vorne ist, wo sich noch keiner auskennt. Gut so! Das verleiht uns Spielraum. -- Trendforscher Franz Kühmayer und seine Gesprächspartner werfen den Blick nach vorne. Optimistisch, provokant und eloquent.

von und mit Franz Kuehmayer -- "Einer der einflussreichsten Vordenker"

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