Blick nach vorne

Blick nach vorne

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Sie haben bestimmt schon einmal diese Redewendung gehört, die uns zur Tatkraft anstiften soll.

00:00:05: Der sicherste Ort für ein Schiff ist der Hafen.

00:00:08: Bloß werden Schiffe nicht dafür gebaut.

00:00:12: Das klingt inspirierend aber das Problem ist diesen metaphorischen Hafen den gibt es nicht mehr jedenfalls nicht für Unternehmen.

00:00:21: Die Hoffnung auf Ruhe nach dem Sturm noch stabilität die erfüllt sich immer seltener Und daher müssen wir auch unser Verständnis von Veränderung überdenken.

00:00:31: Change Management, so wie es heute noch vielfach praktiziert wird – das funktioniert einfach nicht mehr!

00:00:57: Diese Redewendung vom Hafen als sicheren Ort für Schiffe, die aber nicht dafür gebaut werden, ruft uns in Erinnerung der Schiffe für das Überqueren der Ozeane da sind.

00:01:06: Für das Befahren der weiten Meere!

00:01:08: Dafür dass wir andere Kontinente erreichen fremde Länder erschließen.

00:01:13: Das ist mit riesigen Verbunden weil die See, die ist zuweilen recht stürmisch und zum Trost gibt es eben den sicheren Hafen aus Rückzugsort als stabile Basis.

00:01:26: Wenn wir uns auf der Welt aktuell umschauen, dann sehen wir eigentlich überall Krise.

00:01:30: Überall Herausforderungen.

00:01:32: Wirtschaftliche Volatilität, geopolitische Verwerfungen, rasanten technologischen Fortschritt – die Gesellschaft wandelt sich und damit auch die Erwartungen von Kunden, von Mitarbeitenden, von Bewerbern.

00:01:44: Wohin man schaut?

00:01:45: Es bleibt kein Stein auf dem anderen!

00:01:48: Und das nicht erst seit kurzem sondern schon seit Jahren….

00:01:52: Es folgt nicht eine Krise auf die andere, sondern die Krisen überlagern sich.

00:01:56: Sie finden gleichzeitig statt parallel!

00:01:59: Sie treten in Wechselwirkung – sie schaukeln sich auf.

00:02:02: Zum Ausruhen bleibt da keine Zeit.

00:02:06: Niemand kein Unternehmen, keine Branche und auch keine Volkswirtschaft bleibt von diesen Verwerfungen unberührt.

00:02:12: Wir sind alle betroffen, alle mittendrin in einem Zunahme der

00:02:17: Transformation.".

00:02:20: Wenn wir an das Sprichwort von vorhin denken, dann müssen wir uns eingestehen.

00:02:24: Den sicheren Ort den gibt es nicht mehr.

00:02:26: der Hafen ist eine Illusion geworden und daher müssen wir auch unser Verständnis von Veränderung überdenken.

00:02:35: in vielen Unternehmen funktioniert Change Management ja noch immer nach einer Logik die aus einer anderen Zeit stammt Es gibt einen Ausgangszustand Dann kommt ein veränderungsprojekt da machen wir Change Management Und dann erreichen wir den neuen Zielzustand.

00:02:51: Dann ist die Transformation abgeschlossen, das Projektteam löst sich auf und alle können wieder ihre normalen Arbeit nachgehen!

00:02:59: Der Zielzustands ist erreicht – es kehrt wie der Stabilität ein.

00:03:05: Dieser ruhige ZielzustAND kommt aber eben nicht mehr.

00:03:08: Die Stabilitet will sich nicht einstellen... Die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verschoben.

00:03:14: Wandel ist kein vorübergehendes Phänomen mehr, sondern zur Systemeigenschaft geworden und Unternehmen die weiterhin in abgegrenzten Projekten oder temporären Ausnahmezuständen über Wandeln nachdenken, die geraten zunehmend unter Druck.

00:03:31: Wir brauchen dahin ein Perspektivenwechsel.

00:03:33: Transformation darf nicht länger als Projekt verstanden werden.

00:03:37: Transformation muss zum Betriebssystem werden.

00:03:41: Zunächst einmal ist das alles ja ziemlich anstrengend.

00:03:44: Wir erleben in vielen Unternehmen gerade eine Mischung aus Hyperaktivität auf der einen Seite und Erschöpfung auf die anderen Seite bzw.

00:03:51: eigentlich gleichzeitig.

00:03:52: Fast sechzig Prozent aller Betriebe führen mehrere weitreichende Transformationen durch, in weiteren dreißig Prozent sind zumindest einzelne Geschäftsbereiche betroffen.

00:04:04: also praktisch überall wird gerade irgendwas transformiert.

00:04:08: neue Technologien werden eingeführt, Geschäftsmodelle verändert, Organisationen umgebaut, Prozesse digitalisiert, Kosten gespart und so weiter.

00:04:18: Aber trotz dieser hektischen Betriebsamkeit die meisten behandeln Veränderung weiterhin als Abweichung von einem Normalbetrieb.

00:04:26: nur wenige haben all das als kontinuierliche Transformation in ihre DNA integriert.

00:04:34: Wenn aber Veränderungen permanent geworden ist dann kann ich sie nicht mehr mit Instrumenten bearbeiten, die für temporäre Veränderungen gebaut wurden.

00:04:44: Dazu kommt dass in Europa, in Österreich und in Deutschland ganz besonders stark Veränderung grundsätzlich als Problem wahrgenommen wird.

00:04:52: Mein eigenes Unternehmen hat ja neben dem Standort in Wien auch einen in Nordamerika und wir haben Kunden auf der ganzen Welt Und aus dieser globalen Perspektive sehe ich Wandel ein bisschen anders.

00:05:05: Außerhalb von Europa wird Veränderung vor allem als Schlüssel für Wachstum gesehen, für Fortschritt und für Aufstieg.

00:05:11: Wenn man aber europäische Nachrichten liest dann ist der Tonfall Abstiegs nicht aufstiegsorientiert.

00:05:18: Dann ist von der ehemaligen Blüte der Industrie und der Exportnation die Rede – Zukunft klingt immer nach Bedrohung!

00:05:27: Dabei täte uns allen, aber insbesondere Führungskräften und Unternehmerinnen Unternehmen gut sich vor Augen zu halten.

00:05:33: Gerade Abbruchzeiten sind Aufbruchzeit.

00:05:38: Diese Dauerbeschallung mit schlechten Nachrichten und Krisenmeldungen und abgesängen auf Industrie und Standort – das hat Konsequenzen für die innere Verfasstheit von Gesellschaft und von Wirtschaft.

00:05:51: Aus diesem Alarmismus entsteht ein in sich selbst gekehrtes Klima-Nabelschau!

00:05:57: dann legt sich vor allem das Zögerliche, das Vorsichtige, das Sparsame über die Debatten und über die Entscheidungen.

00:06:04: Und in diesem Klima blütern ein Stil einen Führungsstil der vor allem darauf ausgerichtet ist für Stabilität zu sorgen.

00:06:12: Das ist auch verständlich.

00:06:13: Menschen suchen in unsicheren Zeiten nach Stabilitet.

00:06:16: aber es ist nicht nur ein aussichtsloses Unterfangen Es ist doch ein Fantasieloses.

00:06:22: Vorsicht ist auf Dauer keine Strategie.

00:06:25: Wer zu lange auf der Bremse steht, verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

00:06:30: Und nein das ist kein naive Appell die rosarote Brille aufzusetzen und jeder Krise irgendwie eine Chance schönzureden!

00:06:37: Natürlich sind Krisen zunächst einmal Störungen.

00:06:40: Krisen sind der Beweis dafür dass sich die Welt schlichtweg weigert nach unseren Powerpoint-Folien zu funktionieren.

00:06:48: Aber genau dort beginnt ja die Verantwortung Nämlich dann wenn wir die Angst vor dem Scheitern überwinden und beginnen Gestaltungsmöglichkeiten zu sehen.

00:06:58: Ja, Krise braucht Mut – Veränderung braucht Mut!

00:07:02: Eine erstrebenswerte Zukunft entsteht nicht aus reiner Krisenbewältigung sondern aus Tatkraft.

00:07:08: Denn wie gesagt Abbruchzeiten sind Aufbruchszeiten.

00:07:12: Vordernde Epochen sind immer auch ein fruchtbarer Boden für neue Ideen.

00:07:17: Das beginnt mit der Fähigkeit, lohnenswerte Bilder der Zukunft zu entwickeln.

00:07:21: Andere Menschen mit der Fantasie einer besseren Zukunft anzustecken sie zu begeistern und mitzunehmen natürlich auch ihren Bedenken ihrem Zögern Raum zugeben, zuzuhören aber sich letztlich nicht aufhalten zu lassen sondern stattdessen den nächsten Schritt zu gehen die Bilder in die Tat zu übersetzen in Geschäftsmodelle Instrukturen und in konkrete Entscheidungen.

00:07:45: Erfolgreiche Unternehmen verändern sich nicht nur als Reaktion auf äußeren Druck.

00:07:49: Sie betreiben Wandel aus eigenem Anspruch heraus.

00:07:54: Transformation ist dann nicht bloß defensive Anpassung, sie wird zum aktiven Gestaltungsakt und an der Stelle verändert sich die Rolle von Führung.

00:08:03: da kommt das Leadership Team, das Management da kommt auch HR zum Zug.

00:08:09: An dieser Stelle ein kurzer Hinweis.

00:08:11: Die Gedanken aus dieser Folge stammen aus dem HR Insight Trend Report, den ich als Autor jedes Jahr publiziere.

00:08:17: Das Kapitel die Kunst der permanenten Metamorphose enthält ausführliche Hintergründe zahlreiche Daten und Fakten zum Thema Veränderung & Change Management.

00:08:28: Wenn Sie das und alle Handlungsempfehlungen im Detail interessieren dann finden sie den Link zum Report in den Show Notes.

00:08:35: So!

00:08:35: Und jetzt weiter in der Episode.

00:08:38: Die Führungsverantwortung ist klar.

00:08:40: Change Management kann nicht länger eine Kompetenz sein, die wir an Spezialistinnen und Spezialisten, an Projektteams, an Stabstellen oder externe Berater auslagern.

00:08:50: Wer heute führt, der führt Veränderung – nicht gelegentlich als Ausnahme sondern permanent!

00:08:59: Und er muss daher sein Rollenverständnis an diese neue Zeit der Transformation anpassen, muss zum Gestalt eines Systems werden das Wandel produktiv nutzt.

00:09:11: Das geht bereichsübergreifend, wie gesagt ich glaube HR hat eine besondere Verantwortung aber es gilt genauso für den CIO, für die Finanzchefin, für den Vertriebchef, für Produktionsleiterin und natürlich ganz besonders für CEO bzw Geschäftsführung weil Transformation vollzieht sich heute in einem umfassenden Spannungsfeld von Technologie, Geschäftsmodell und Mensch.

00:09:38: Der Blick nach vorne Ich meine, wir müssen beim Thema Change Management an drei Schrauben drehen.

00:09:44: Erstens – Transformation als Betriebssystem verankern.

00:09:48: Statt in einer Projektlogik muss Change Management in die Linienprozesse, Führungsarbeit und in die Entscheidungen standardmäßig und dauerhaft integriert werden.

00:09:59: Zweitens – Führung im permanenten Wandel befähigen Denn Führungen kann nicht länger bedeuten, Stabilität zu versprechen wo es letztlich keine Stabilität gibt.

00:10:09: Die Aufgabe besteht darin, Orientierung unter Unsicherheit zu geben.

00:10:14: Mit Ambiguität also mit Mehrdeutigkeit umgehen zu können.

00:10:18: Entscheidung das war mal entweder oder und ist heute zu einem sowohl als auch geworden hat sich von einem binären Ja-Nein zu einem Spektrum entwickelt dass auch vielleicht und möglicherweise und auch ich weiß es nicht beinhaltet.

00:10:36: Das muss man aushalten als Führungskraft, als Mensch aber eben auch als Organisation.

00:10:43: Und drittens Veränderungen zum Teil der Identität machen – nicht als Dauerstress oder hektische Betriebsamkeit und auch nicht mit kalendersprüchender Marke, Veränderung ist die einzige Konstante sondern als professionelle Fähigkeit einer Organisation sich immer wieder neu auf veränderte Bedingungen einzustellen.

00:11:04: Denn eines ist sicher, Exzellenz ist kein stabiler Zustand.

00:11:08: Was heute hervorragend funktioniert, kann schon morgen nicht mehr passen.

00:11:13: Stabile Erfolgsrezepte gibt es nicht mehr.

00:11:16: Wenn der Hafen mal so eine Illusion geworden ist dann lautet die entscheidende Frage nicht mehr Wann ist diese Transformation endlich vorbei?

00:11:24: Wann kann das Schiff endlich wieder in den Hafen einfahren?

00:11:27: Sondern wie gut sind wir darin uns immer wieder zu verändern?

00:11:31: Wie gut sind Wir auf hoher See?

00:11:39: Das war eine Folge von Blick nach vorne dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft.

00:11:45: Mein Name ist Franz Kümerer, ich sage vielen Dank fürs Zuhören!

00:11:49: Alle Informationen finden Sie auf www.blicknachforne.com.

00:11:56: Abonnieren Sie diesen Podcast und seien sie auch das nächste Mal wieder dabei wenn es wieder heißt Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.

Über diesen Podcast

Vorne ist, wo sich noch keiner auskennt. Gut so! Das verleiht uns Spielraum. -- Zukunftsforscher Franz Kühmayer und seine Gesprächspartner werfen den Blick nach vorne. Optimistisch, provokant und eloquent.

von und mit Franz Kuehmayer -- "Einer der einflussreichsten Vordenker"

Anhören auf Ihrer Lieblingsplattform:

Apple

Spotify

Google (YT Music)

Amazon

RTL+

Web

Franz Kühmayer

Social

LinkedIn

Youtube

Instagram