Blick nach vorne

Blick nach vorne

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00:00:00: Stellen Sie sich mal vor, BMW bringt ein neues Auto auf den Markt.

00:00:03: und stellen Sie sich weiter vor.

00:00:05: Dieses neue Modell schaut ganz anders aus aber es verkauft sich rasend gut.

00:00:10: Was macht Mercedes dann?

00:00:13: Hält der Mercedes-Chef eine Pressekonferenz ab und spricht zwanzig Minuten darüber wie schlecht er neue BMW ist?

00:00:20: Erklärt er seinen Kunden warum BMW eine furchtbare Marke ist und man alle die sich für BMW entscheiden sowieso nicht ganz für voll nehmen kann?

00:00:29: Malte das Schreckgespenst an die Wand, dass BMW den Untergang der deutschen Automobilindustrie einleitet?

00:00:36: Nein natürlich nicht!

00:00:38: Weil damit würde Mercedes drei Fehler machen.

00:00:41: Erstens Die ganze Zeit Werbung für BMW machen.

00:00:45: Zweitens Die BMW Käufer und Interessenten damit vergraulen.

00:00:50: Und drittens Die deutsche Autoindustrie.

00:00:52: Insgesamt schlechtreden und Den Standort Deutschland auch gleich.

00:00:57: Keiner, der bei Sinnen ist würde sowas machen.

00:01:01: Erstaunlicherweise läuft aber politische Kommunikation nach genau diesem Muster ab.

00:01:13: Da gewinnt die AfD in Sachsen-Anhalt ca.

00:01:28: vierzig Prozent, ist auch in anderen Ländern und auf nationale Ebene im Aufwind.

00:01:34: Nach dem betreffenden Wahlsonntag hat Kanzler Merz im Bundestag dann einen Auftritt und er nutzt seine Redezeit um sich an der AfD an Alice Weidel abzuarbeiten.

00:01:44: Einen größeren Gefallen hätte er vor Weidel gar nicht machen können!

00:01:49: Die Politik diskutiert über die AfD, die Medien diskutieren über die.

00:01:54: Warum ist sie so erfolgreich?

00:01:55: Warum hat sie solchen Zulauf.

00:01:57: Was sind das für Leute, die die AfD wählen?

00:02:00: Wie gefährlich ist die Partei und wie kann man sie wieder kleiner machen?

00:02:04: Das sind alles legitime Fragen gerade angesichts der Standpunkte, den die AfD vertritt.

00:02:10: aber ich glaube wenn man es so anlegt wir es Herr Merz die CDU die SPD usw.

00:02:15: gerade machen und auch das Medienkarussell dann erreicht man vor allem drei Effekte.

00:02:21: erstens Man wertet die AfD auf, man macht sie größer.

00:02:27: Die AfD bestimmt das Thema – Sie gibt den Takt vor – die Anderen definieren sich zunehmend über die AfD über ihre Abgrenzung zur AfD.

00:02:37: Der Versuch auf diese Weise Initiative zurück zu gewinnen der muss ja im Anlauf scheitern.

00:02:43: Stattdessen liefern Merz und die Andere der AfD Sendezeit und laufen ihren Themensetzungen hinterher.

00:02:49: Und je stärker die AfD wird und so mehr machen sie das, desto mehr reden alle über die AfD.

00:02:55: Das ist doch total paradox!

00:02:57: Man will sie politisch kleiner machen und macht sich kommunikativ größer.

00:03:03: Aufmerksamkeit?

00:03:04: Das ist eine strategische Ressource – und es ist in dieser lauten Welt, in der wir leben, eine unglaublich begrenzte Ressource.

00:03:12: Jede Minute, in deren ich über meinen Wettbewerber rede, ist eine Minute, indem ich nicht über mein eigenes Angebot rede… Und es geht ja noch weiter.

00:03:21: Ich übernehme damit auch seine Themen, seine Problemdefinitionen und sogar seine Begriffe selbst wenn ich sie kommunikativ immer negiere.

00:03:30: Jedes Mal wenn Friedrich Merz gegen den AfD-Begriff Remigration wettert macht die Frau Weidel eine Champagnerflasche auf – schon widersteht das Wort in einem Leitartikel.

00:03:40: vielen herzlichen Dank Herr Kanzler!

00:03:44: Was klar ist bitte mich nicht falsch zu verstehen.

00:03:47: natürlich muss man politischen Positionern widersprechen.

00:03:51: Den Inhalten gerade auch der AfD in Österreich der FPÖ und so weiter muss man argumentativ entgegentreten.

00:03:58: Gar keine Frage!

00:04:00: Freilich kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn Wahlen so ausgehen – uns.

00:04:05: selbstverständlich muss ein Bundeskanzler Angriffe der Opposition beantworten.

00:04:10: Demokratische Institutionen haben die Pflicht auf Positionen zu reagieren, die sie für problematisch halten.

00:04:16: Aber das heißt noch lange nicht, dass ich mir meine Kommunikation, meine Agenda von einer anderen Partei diktieren lasse.

00:04:23: Weder inhaltlich noch konzeptionell!

00:04:26: Ich besorg doch nicht freiwillig deren Geschäft – soweit kommt's noch?

00:04:30: Zweitens Wenn man einen politischen Wettbewerber permanent als Gefahr beschreibt und ihn geradezu dämonisiert dann verschiebt man den Wettbetrieb von der Frage wer hat die besseren Ideen hin zu der Frage Bist du für uns, bist du gegen die anderen?

00:04:50: Und damit wird aus einer politischen Entscheidung des Wählers der Wählerinnen eine Frage zur Zugehörigkeit.

00:04:56: Nicht mehr welche Politik halte ich für richtig sondern wer bin nicht und zu wem gehöre ich.

00:05:03: Je stärker man diese Grenze zieht und betont es, desto stärker geht es nur noch um die Zugehrigkeit.

00:05:10: Wir kennen diesen Mechanismus auch aus der Markenwelt aus dem Branding.

00:05:14: Zwischen der Überlegung für oder gegen ein Produkt und der Identifizierung mit einer Marke liegt ein gewaltiger Unterschied.

00:05:24: Über die Eigenschaften eines Produktes kann ich diskutieren, das schaue ich mir halbwegs analytisch an Preisleistungen Merkmale aber eine Identität, die verteidige ich auch über mir sehr wohl bewusste Nachteile des Produktes hinweg.

00:05:40: im Extremfall nimmt es dann schon fast die Form eines Kultes an.

00:05:44: Versuchen Sie mal einen überzeugten Apple oder Microsoft-User mit einem einzelnen Produktmerkmal ins jeweils andere Lager zu ziehen.

00:05:52: Auf die Ebene kommen sie gar nicht, sie bleiben auf der obersten Ebene hängen – bei Apple versus Microsoft, beim Markenattributen und bei Stammeszugehörigkeiten.

00:06:03: Darum investieren die ganz großen Unternehmen und die ganz schlauen.

00:06:06: ja so viel in Branding, in Markenloyalität!

00:06:10: In der Politik kann dieser Mechanismus noch stärker verfangen, weil der Wettbewerb zumindest auf kommunikativer Ebene sich um Werte und Überzeugungen um gesellschaftliche Zugehörighärten dreht.

00:06:23: Dadurch wird aus einer argumentativen richtig falsche Beurteilung übrigens schnell auch eine gut böse Einteilung – und das ist nicht besonders hilfreich weder strategisch oder demokratiepolitisch!

00:06:37: Mehr ständig ein Wir gegen die formuliert, darf sich nicht wundern wenn auf der anderen Seite ebenfalls ein starkes Wir gefühlen steht.

00:06:45: Eine Wagenburg eine politische Identität die für sachliche Argumente nicht mehr empfänglich ist, die auch sehr viel schwerer wieder zu verändern ist als eine einzelne politische Meinung.

00:06:58: Die permanente Abgrenzung kann also genau jene Bindung stabilisieren die man eigentlich aufbrechen möchte.

00:07:06: und Drittens, aus meiner Sicht das Allerwichtigste.

00:07:10: Was März und Co machen?

00:07:12: sie verbringen enorm viel Energie damit zu erklären was sie verhindern wollen.

00:07:17: aber was wollen Sie erreichen?

00:07:21: Diese Perspektive erleben wir auf der kommunikativen Ebene Aber es nimmt ihren Anfang lang davor bei der Definition der inhaltlichen Standpunkte nämlich Gegenpositionierung ist noch lange keine eigene Positionierung.

00:07:34: Ich kann sehr genau wissen was ich nicht will ohne deswegen schon auch nur ungefähr zu wissen, was ich will.

00:07:42: Ich kann jeden Tag erklären, was am Angebot meines Wettbewerbers falsch ist – damit habe ich aber noch lange kein eigenes Angebot!

00:07:51: So wird das einem Kommunikationsproblem ein Strategie-Problem denn gute Kommunikation kann keine fehlende Strategie ersetzen.

00:07:59: wenn CDU, SPD oder irgendeine andere Partei Schwierigkeiten haben verständlich zu erklären wohin sie mit Deutschland wollen dann muss das nicht daran liegen, dass die Kommunikation schlecht ist.

00:08:11: Vielleicht haben sie tatsächlich selbst kein klares Zielbild?

00:08:15: Was genau ist denn die Vision, die März, die die CDU und SPD usw.

00:08:19: für Deutschland haben?

00:08:21: Können Sie das in ein paar zusammenhängenden Sätzen formulieren ohne Plattitüden abzugleiten?

00:08:26: Könn'en Sie es so formulieren, daß eine zuseher potenzielle Wählerin nicht nur versteht sondern auch selbst weitererzählen kann und wird!

00:08:36: Wie soll Deutschland in drei Jahren, fünf Jahren und zehn Jahre aussehen?

00:08:40: Was wird besser funktionieren.

00:08:42: Was muss sich auch verändern?

00:08:44: Was muss man den Menschen dafür zumuten?

00:08:46: Was bekommen sie dafür?

00:08:48: Ich bin sehr überzeugt von strategischer Visionsarbeit aber vielleicht braucht man gar keine großartig ausformulierte abstrakte Vision plus.

00:08:56: wenn ich nicht mal im Ansatz vermitteln kann wohin ich will dann nutzt doch das Rumschhafteln in der Gegenwart nichts.

00:09:04: Klar Muss ich das, was ich da als Vorstellung von einer gelingenden Zukunft habe mit Plänen und Maßnahmen unterfüttern?

00:09:11: Muss sich das Versprechen einigermaßen einlösen.

00:09:14: Und es wird holpern und stolpern.

00:09:16: aber zunächst einmal muss ich ja vorne anfangen.

00:09:20: wenn sich Politik vor allem um sich selbst dreht Politics about politics macht dann verfestigt sich der Eindruck, dass da nur mehr gestritten wird.

00:09:28: Spindoktoren am Werk sind Kabukke-Theater aufgeführt und jedenfalls, dass sich Berufspolitiker mit sich selbst beschäftigen statt Politik für das Land und die Bevölkerung zu machen.

00:09:40: Ich bin kein Politiker aber ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit Strategie und Kommunikation in der Wirtschaft.

00:09:46: Ich kenne es und trau mich auch ohne rot zu werden zu sagen – ich kann das auf höchsten Level wirklich sehr gut!

00:09:53: Genau darum bin ich halt so passig erstaunt, wenn ich in Richtung Politik schaue.

00:09:57: Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Wirtschaft und Politik.

00:10:01: Politik ist kein Autoverkauf.

00:10:02: da geht's nicht um Markentreuer zu einer Zahnpasta oder einem Waschmittel Alles klar!

00:10:07: Politik ist wichtiger viel wichtiger.

00:10:09: aber gerade deshalb sollten doch die einfachsten Regeln des Wettbewerbs auch dar gelten, oder?

00:10:15: Wenn mein Mitbewerber erfolgreicher wird dann muss mein erstes strategisches Interesse durch meinem eigenen Angebot gelten.

00:10:22: Das ist meine Hausaufgabe, nicht die Beschäftigung mit dem Angebot des Wettbewerbers!

00:10:27: Ich muss es selbst besser machen den Menschen einen guten Grund geben sich für mich zu entscheiden statt ihnen permanent zu erklären warum sie sich gegen jemand anderen entscheiden sollen.

00:10:40: Ich werde jedenfalls ganz sicher nicht jeden Tag Land auf Land aberklären, dass der Wettbewerber ein schlechtes Produkt hat.

00:10:45: Warum das eine schlechte Firma ist?

00:10:47: Warum die komische Kunden haben und so weiter.

00:10:49: Auf so einer Idee kommt doch im wirklichen Leben keiner oder.

00:10:53: ich muss es doch andersrum aufzäumen nämlich selbst ein besseres Produkt bauen und es dann gut verkaufen.

00:11:00: Ich muss wieder und wieder erklären, welches Problem ich mit meinem Produkt löse.

00:11:05: Welche Vorteile das hat?

00:11:06: Muss auch ehrlich sagen, dass und das ist schwierig bei meinem Produkt aber in Summe wird es sich lohnen lieber Kunde!

00:11:13: Muss zuhören wo der Schuh beim Kunden drückt, muss meine Value-Proposition aus allen Dimensionen heraus stärken – Aus eigener Position heraus, meiner eigenen Ideen vermitteln.

00:11:24: Das ist Überhaupt keine Verharmlosung der Unterschiede.

00:11:28: Auch kein Maginalisieren oder Ignorieren eines Wettbewerbers, selbst eines asymmetrische agierenden Wett Bewerbers – ganz im Gegenteil!

00:11:36: Wenn ich das ernsthaft so mache, dann wird mein eigenes Produkt besser, meine eigene Position, meine Kommunikation wird besser und ich liefere gleichzeitig den Mitbewerbern nicht dauernd Senderzeit- und Themenhoheit.

00:11:51: Der Blick nach vorne.

00:11:53: Der eigentliche Punkt ist gar nicht, wie stoppt man die AfD.

00:11:56: Sondern was ist das eigene Angebot?

00:12:00: Wenn der Wettbewerber erfolgreicher wird kann man jeden Tag über den reden oder Man kann dafür sorgen dass die Menschen wieder Über einen selbstreden weil das eigene angebot überzeugender ist.

00:12:12: Ich wird halt zur abwechslung einmal das versuchen.

00:12:20: Das war eine folge von blick nach vorne dem podcast zur zukunft von gesellschaft und wirtschaft.

00:12:26: Mein Name ist Franz Kühmeyer und ich sage vielen Dank fürs Zuhören.

00:12:30: Alle Informationen finden Sie auf www.blicknachforne.com.

00:12:37: Abonnieren Sie diesen Podcast, seien sie auch das nächste Mal wieder dabei wenn es wieder heißt Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.

Über diesen Podcast

Vorne ist, wo sich noch keiner auskennt. Gut so! Das verleiht uns Spielraum. -- Zukunftsforscher Franz Kühmayer und seine Gesprächspartner werfen den Blick nach vorne. Optimistisch, provokant und eloquent.

von und mit Franz Kuehmayer -- "Einer der einflussreichsten Vordenker"

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Franz Kühmayer

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