00:00:00: Es ist eine der viel zitierten Binsenweisheiten der Management-Lörig, nicht der größere Gewinn sondern der bessere.
00:00:08: Bloß wie werden wir besser?
00:00:11: Über unsere Zukunftsfähigkeit also ob wir morgen noch erfolgreich sein werden darüber entscheidet nicht mehr das was Menschen und Organisation heute schon wissen können sondern mit welcher Geschwindigkeit sie neues Wissen aufbauen anwenden und auch wieder verwerfen können.
00:00:28: Wir müssen also lernen.
00:00:30: Das ist zunächst keine besonders aufregende Erkenntnis, vom lebenslangen Lernen sprechen wir ja seit Jahrzehnten.
00:00:36: Auch Unternehmen tun da natürlich schon eine Menge – sie investieren in Weiterbildung, betreiben Learning-Plattformen und Corporate Academies, sie schicken ihre Mitarbeitenden auf Trainings- und Führungskräfteprogramme.
00:00:49: Und trotzdem ich bin der Überzeugung, all das greift inzwischen zu kurz!
00:00:55: Mehr zu lernen dauerhaft zu lernen, ja sogar schneller zu lernen.
00:00:59: Das reicht nicht aus!
00:01:01: Wenn wir Lernen genauso organisieren wie bisher bloß mit höherem Tempo laufen wir der Welt trotzdem noch hinterher.
00:01:08: Wir müssen grundlegender an die Sache herangehen.
00:01:14: Vorne ist wo sich noch keiner auskennt.
00:01:17: Gut so das verleiht uns Spielraum.
00:01:19: Herzlich willkommen beim Blick nach vorn dem Podcast zur Zukunft von Gesellschaft und Wirtschaft.
00:01:25: Mein Name ist Franz Kümmerer Und ich bin Trendforscher.
00:01:29: Das, was wir heute können und wissen, das hat schon morgen deutlich an Wert verloren.
00:01:34: Das World Economic Forum geht davon aus dass bis zu vierzig Prozent der heutigen Skills schon bis zum Jahr zwei Tausend Dreißig veraltet oder überholt sein werden als in den nächsten vier Jahren.
00:01:46: Andere Untersuchungen zeigen, dass Kompetenzen früher vier- bis sechs Jahre Bestand gehabt haben und sich heute binnen zwölf bis achtzehn Monaten verändern.
00:01:56: Was wir wissen, was wir können, das zerrinnt uns unter den Händen wie Sand in immer schnellerem Tempo.
00:02:03: Das erleben wir ja auch selbst in der Praxis jeden Tag im Beruf und im Alltag.
00:02:09: Ich habe das große Privileg an mehreren Top-Unis in Europa lehren zu dürfen – an der Wirtschaftsuniversität Wien oder an der Hochschule St.
00:02:15: Gallen.
00:02:16: Bei manchen Masterstudien oder Doktoratstudien spürt man diese Beschleunigung geradezu dramatisch.
00:02:22: Ein Informatikstudium zum Beispiel, das dauert fünf Jahre bis zu Master Degree.
00:02:28: Vor fünf Jahren haben die heutigen Absolventen angefangen – da hat es noch gar kein Jetschibitie gegeben!
00:02:35: Inzwischen hat KI die Softwareentwicklung wirklich grundlegend verändert.
00:02:39: Wer also heute fertig wird kann mit Fug und Recht sagen vieles von dem was ich im ersten Semester gelernt habe ist inzwischen massiv veraltet, noch innerhalb der Mindeststudienzeit.
00:02:51: Und so geht es uns auf vielen Gebieten, nicht nur wegen
00:02:54: K.E.,
00:02:55: sondern aufgrund vieler Veränderungen – auf allen Ebernen!
00:02:58: Die Welt ist insgesamt enorm beschleunigt.
00:03:01: Wie gehen wir mit der Dynamik dieser Welt um wenn's um das Thema Lernen geht?
00:03:06: Wir haben ja bisher eigentlich Vorratsbildung betrieben.
00:03:09: Wie geht da?
00:03:10: schönes Satz?
00:03:11: Nicht für die Schule, für das Leben.
00:03:12: lernen wir also nicht für jetzt, sondern für später Genauso im Studium oder wenn wir Seminare besuchen und Lehrgänge absolvieren.
00:03:22: Wir erwerben Wissen heute, um es irgendwann später einsetzen zu können.
00:03:28: Solange es halbwegs stabile Berufsbilder und einigermaßen vorhersehbare Karrierewege gegeben hat war das ja auch durchaus sinnvoll – jetzt aber stößt dieses Prinzip an seine Grenzen!
00:03:38: Denn was nützt mir über lange Zeit hinweg erworbernes Wissen dass in dem Moment in dem ich es dann endlich anwenden kann bereits überholt ist?
00:03:47: Und wenn sich die Welt so sehr beschleunigt, dann komme ich ja auch mit immer schnellerem Lernen nicht mehr nach.
00:03:53: Die Konsequenz daraus ist klar – wir müssen die Distanz zwischen Wissenserwerb und Anwendung verkürzen!
00:04:01: Was wir lernen, das muss möglichst unmittelbar wirksam werden.
00:04:04: Und?
00:04:05: Wir dürfen lernen nicht nur in eine Richtung denken, nicht als Einbahn sondern eher als Schleife also nicht nur erst lernen, dann anwenden, sondern auch in die andere Richtung.
00:04:16: Aus der Anwendung muss in möglichst gleichem Tempo wieder neues Lernen entstehen.
00:04:20: Die Schleife muss geschlossen
00:04:22: werden.".
00:04:23: Das verändert die Frage, die Unternehmen stellen müssen – die lautet dann nämlich nicht mehr, welche Weiterbildung bieten wir unseren Mitarbeitenden an sondern ist die Arbeit selbst bei uns so gestaltet das Menschen daran wachsen können?
00:04:37: Bekommen Sie Aufgaben, die sie fordern dürfen Sie Entscheidungen treffen und erfahren Sie was aus diesen Entscheidungen geworden ist bekommen sie Feedback, dass wiederum der Beginn einer neuen Lernschleife ist.
00:04:49: Das sind keine Seminargestaltungsfragen sondern Organisationsgestaltungfragen.
00:04:55: Learning Design wird zu Jobdesign Die tägliche Arbeit selbst wird zur Lernumgebung und dabei geht es nicht nur darum fachlich besser zu werden.
00:05:06: wir lernen auch mit Unsicherheit umzugehen Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen obwohl wir nicht alle Informationen haben.
00:05:15: Neue Aufgaben, schwierige Situationen, ständige Veränderungen – all das wird damit selbst zur Gelegenheit zu lernen und zu wachsen.
00:05:24: Das heißt Formelles und Informelles lernen vermischen sich.
00:05:27: aber.
00:05:28: selbst wenn Lernen dadurch weniger formell wird es wird nicht weniger anspruchsvoll ganz im Gegenteil.
00:05:35: Denn in so einer Welt können wir Lernen eben nicht als Seminartraining oder Schulungsprogramm organisieren.
00:05:41: Wir müssen es von vornherein in Jobrollen, in Prozesse und in Führung- und Kultur verankern.
00:05:47: Lernen wird zur betrieblichen Grundversorgung, zur Infrastruktur zum Betriebssystem von Unternehmen.
00:05:56: Dieser Gedanke der lernenden Organisation ist dem Gründe nicht neu.
00:06:00: Brümmt.
00:06:00: geworden ist er durch Peter Sange in den neunziger Jahren, fünfte Disziplin ein Klassiker.
00:06:07: Die Idee war seinerzeit ein hohes kulturelles Ideal.
00:06:10: heute ist sie eine operative Notwendigkeit geworden und diese notwendigkeit führt zu drei grundlegend anderen Ansätzen für lernende Organisationen.
00:06:21: erstens Erfahrung verliert ihr Monopol.
00:06:24: zweitens Unternehmen müssen aus der Zukunft lernen.
00:06:28: und drittens Lernen zählt erst dann, wenn sich das Handeln verändert.
00:06:33: Der Reihe nach.
00:06:35: Traditionell haben wir beim Lernen stark auf Erfahrung gesetzt.
00:06:38: Die Juniors lernen von den Seniors die neuen von denen die schon lange dabei sind.
00:06:44: Natürlich bleibt Erfahrung wertvoll Aber Erfahrungswissen stammt halt per Definition aus der Vergangenheit.
00:06:51: In einer Welt, die sich so rasch und so radikal ändert können wir uns immer weniger darauf verlassen dass das was gestern funktioniert hat auch morgen noch eine Volksrezept sein wird.
00:07:02: Eine lernende Organisation muss also beides können aus der Vergangenheit lernen aber vor allem auch aus der Zukunft lernen.
00:07:11: Das bedeutet die Quelle neuen Wissens ist nicht nur das was wir schon erlebt haben sondern vor allem das was auf uns zukommen wird.
00:07:22: Dazu gehört Veränderungen früher wahrnehmen, Signale von außen und innen aufnehmen, Entwicklungen antizipieren, Daten auswerten und daraus schneller Konsequenzen ziehen als der Wettbewerber.
00:07:35: Und dann gleich den nächsten Schritt machen – denn Erkenntnis allein ist eben noch nicht lernen!
00:07:41: Eine Organisation hat erst dann gelernt wenn sie anschließend etwas anders macht Wenn sie anders entscheidet einen Prozess verändert eine Annahme verwirft etwas ausprobiert und dann beobachtet, was daraus entsteht.
00:07:56: Damit schließt sich die schon erwähnte Schleife.
00:07:59: Aus Erkenntnis wird handeln, aus Handeln entsteht Feedback, aus Feedback neues Lernen.
00:08:06: Und je kürzer und je direkter diese Schleifen sind, desto schneller und besser lernt die Organisation.
00:08:13: Genau deshalb darf dieses Lernen auch nicht ständig den langen Weg durch die Hierarchie nehmen Informationen nach oben, Entscheidung dort, Kommunikation wieder nach unten.
00:08:24: Lernendeorganisationen brauchen kurze Wege und dezentrale Entscheidungen.
00:08:29: Sie müssen dort lernen können wo die Erfahrung entsteht und möglichst unmittelbar darauf reagieren können.
00:08:36: Wenn sie das Thema vertiefen wollen im aktuellen HINSA Trend Report habe ich dazu ein ganzes Kapitel geschrieben mit dem Titel Im Werden Wachsen und einer Menge zusätzlicher Daten, Fakten und Hinweisen wie man das umsetzt im Unternehmen.
00:08:51: Wenn Sie das interessiert finden sie den Link zum Report in den Show-Notes.
00:08:56: Der Blick nach vorne.
00:08:58: wenn uns die Dynamik der Gegenwart in einem Feld besonders herausfordert dann sicher bei unserer Lernfähigkeit als Einzelner und als Unternehmern.
00:09:08: Wenn wir erfolgreich bleiben wollen müssen wir grundlegend überdenken wie wo wann und wie schnell wir lernen.
00:09:17: Das erfordert keinen neuen Trainingskatalog, kein kreativere Schulungsprogramm und auch kein tolles Seminar.
00:09:22: Da geht es um grundlegenderes.
00:09:25: Lernen ist eine Eigenschaft der Organisation selbst unter Menschen die darin agieren.
00:09:31: Den Erfolg dieser Eigenschaft kann man nicht an der Ansammlung von Zertifikaten oder an der scheren Menge des Wissens erkennen sondern eher an der Selbstverständlichkeit mit der sich eben dieses Wissen permanent erneuert und wirksam wird.
00:09:45: Ich bin jedenfalls davon überzeugt, entscheidend ist nicht mehr nur wie gut wir heute sind oder was wir heute können sondern wie wir schneller schlau werden.
00:09:55: Die Zukunft gehört jedenfalls denen die im Werden wachsen!
00:10:21: abonieren Sie diesen Podcast und seien sie auch das nächste Mal wieder dabei, wenn es wieder heißt.
00:10:26: Vorne ist wo sich noch keiner auskennt!